You’re traveling alone?

veröffentlicht 03. Apr. 2011

Vorher
und los gehts…
Kgaligadi National Park
Nach Mabuasehube
Die Central Kalahari
Weiter Richtung Norden
Khama Rhino Sanctuary
Fazit
Kommentare

 

Ein Reisebericht aus Botswana

Ein Reisebericht aus Botswana? Warum schreibe ich jetzt einen Reisebericht? Nun, es ist wohl noch nie soviel über diese Reise gesprochen worden und gemutmaßt worden, so daß ich euch an dieser Reise auch einfach mal in Form eines Berichtes teilhaben lassen will. Ausserdem war es schon lange ein Wunsch von mir, meine ErlebAuf dem Weg...nisse einmal in Textform niederzuschreiben. Vielleicht gefällt es Euch? Über konstruktive Kritik freue ich mich natürlich.

Ich sitze jetzt hier am Ende dieser Reise am Flughafen und versuche in einem ersten Schritt mal die Gedanken, Erfahrungen, Erlebnisse und Geschichten der letzten 12 Tage zu ordnen. So kurz nach Reiseende ist das Erlebte sicherlich noch sehr frisch, aber vielleicht hilft diese Nähe ja auch.

Am Anfang stand da ein Name, oder viel mehr ein Klang eines Namens: „Kalahari“. Nach etlichen Besuchen des Krüger-Nationalparks in Südafrika kommt die Entscheidung, nun mal etwas afrikanisches, abenteuerlicheres zu erleben. Ich kann noch nicht mal sagen warum ausgerechnet Botswana, es hätte auch ein anderes Land in Afrika sein können. Also folge ich mal dem Klang des Namens: „Kalahari“

Vorher

Die Kalahari erstreckt sich quer über Botswana bis nach Namibia und in den Norden von Südafrika herein. Botswana ist ein sehr exklusives und teures Reiseland, so daß meine Entscheidung schnell auf Camping und 4 x 4 fällt. Bei meinen Recherchen hierzu wird aus der Idee schnell Realität. Reiseberichte aus verschiedenen Internetforen schildern genau die Art zu reisen, die ich mir für die Kalahari vorstellen kann. Schnell ist die Reiseroute klar. Ich möchte die Central Kalahari durchqueren. Ein Unterfangen, das noch vor 15 Jahren nicht ohne Expeditionscharakter durchgeführt werden konnte. Mittlerweile ist es ein kleineres Abenteuer, welches allerdings in Zeiten von Satellitentelefonen, GPS und ersten touristischen Zügen immer weniger abenteuerlich wird. Das Abenteuer besteht eigentlich nur in der Gefahr, steckenzubleiben oder eine Panne zu bekommen oder unvorsichtig im Umgang mit der Natur zu sein. In den ersten beiden Fällen ergibt sich unter Umständen ein zeitliches Problem, wählt man eine Route abseits touristischer Pfade. Im letzteren Falle könnte es ernsthaft zu Problemen kommen, da ärztliche Hilfe nur sehr schwer erreichbar ist. Aber es ist auch der auch der Hintergrund der Reise, so im Einklang mit der Natur zu leben, dass man ohne fremde Hilfe auskommt. Einfach Abhängigkeiten zu minimieren.

Vor der Central Kalahari möchte ich noch in den Kgaligadi Nationalpark. Dieser Park eignet sich nach meinen Recherchen hervorragend, um 4×4 Fähigkeiten zu erlernen, das Handling des Autos zu kennenzulernen und ein Gefühl für das Gelände zu bekommen. Sollte irgendetwas schieflaufen, könnte ich nach Kgaligadi abbrechen und eine andere Route wählen.

Nach der Central Kalahari habe ich noch drei Tage Puffer eingebaut, damit ich auch hier auf eventuelle Probleme zeitlich reagieren kann. So vorgeplant geht es nun in die Feinplanung. Die Übernachtungen bzw. die Campsites müssen vorgebucht werden. Schnell stösst hier der Ungeduldige an Grenzen. Es gibt ein geflügeltes Wort: „Die Bürokratie wurde in Deutschland erfunden, aber erst in Botswana erlangt sie Perfektion.“ Das sollte sich nicht nur vor Ort bewahrheiten. Emails werden nicht beachtet oder nicht beantwortet. Und nach gefühlten 100 Mails, abfotografierten Vouchern, Bildschirmkopien von Auslandsüberweisungen steht die Route mitsamt den Übernachtungen fest. Im Nachhinein sind die vier Tage, die nicht vorgebucht worden sind, ohne Probleme verlaufen. Dies verleitet mich zu der Annahme, nächstes Mal vor Ort Unterkünfte zu suchen.

Apropos Unterkünfte. Die Campsites haben einen sehr unterschiedlichen Charakter. Von Luxus (meist auf südafrikanischem Gebiet) bis hin zu einer Feuerstelle und einem einfachen Klo ist alles vertreten.

Damit ich aber einen sanften Übergang von Zivilisation nach Wildnis habe (der Mensch ist schliesslich ein Gewohnheitstier und kann sich nur langsam an neue Umgebungen anpassen) plane ich vorsichtshalber die erste Nacht in einem Bed and Breakfast ein. So kann ich auch am morgen sofort weiter, denn in den ersten zwei Tagen sind nahezu 1.500 km durch nordwestliche Karoo zu fahren. Eine weise Entscheidung.

…und los geht’s

Nach der Ankunft klappt die Übernahme des 4×4 hervorragend, alles wird erklärt und der Wagen fährt sich gut. Eine weitere Stunde später habe ich auch schon eingekauft und eingeladen. Jetzt kann es also losgehen. Bei einem kleinen Mittagessen wird die Route noch mal durchgekaut. Die Navibedienung bin ich leider noch nicht gewöhnt, so dass ich erst mal nach Karte fahren muss. Nördlich von Johannesburg möchte ich gerne 20 km Landstrasse fahren, um eine Abkürzung zu nehmen. Hier komme ich aber dann in den Megastau. Weil ein Unfall auf der Autobahn die Nebenstrassen füllt, kommen die Polizeikräfte nicht mehr klar. Ich brauche für die 20 km drei Stunden. Um fünf nachmittags habe ich noch 400 km zu fahren. Dann schalte ich das Navi ein. Um sieben wird es dunkel und ich merke, dann auch endlich, dass das Navi mich die Alternativroute fahren lässt. Dies soll die kürzere sein, ist aber nicht die schnellere. Denn kurz nach neun sind noch ca. 120 km Landstrasse durch das dunkelste Karoo zu fahren. Ich komme durch Orte die Schweizer Renecke heissen. So krass habe ich mir den Unterschied zwischen Zivilisation und Outback dann doch nicht vorgestellt. Hier erlebt man zum ersten Mal das Gefühl tiefster Dunkelheit. 50 km im Outback kämpfst du dich nachts um halb elf nach einem Nachtflug und 350 km in den Knochen über Strassen, die den Namen eigentlich nicht verdienen. Das Schild „Potholes“ verkauft sich auf dieser Strecke hervorragend und manchmal hat es den Anschein, es gibt mehr Schlaglöcher als Asphalt auf der Piste.

Kleine Anmerkung noch zur Dunkelheit. Es hat den Anschein, als wäre die Nacht im südlichen Afrika schwärzer als man gewöhnt ist. Aber eigentlich ist sie gar nicht so dunkel. Wenn die nächtlichen LKWs hell aufgeblendet einen halben Meter an deinem Auto vorbeischiessen, brauchst du erst mal wieder zwei Minuten um dich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Bis der nächste Lkw kommt….

Um elf Uhr nachts komme ich an. Ich habe meine späte Ankunft schon angekündigt, alles kein Problem. Nur mit dem Weiterfahren früh morgens ist es dann gegessen.

Der Ort heisst Vryburg und liegt ziemlich mittig zwischen Johannesburg und dem Kgaligadi. Hervorragend geeignet, um kurz zu übernachten und dann weiterzufahren. Was die meisten wohl auch machen, den der Ort könnte auch „Troostloos“ oder „Inthemiddleofnowhere“ heissen. Das kurze Gespräch mit meiner Gastgeberin Zelda lässt erahnen, wieviel Ähnlichkeit mit dem australischen Outback vorhanden sein muss. Ein Gast ist hier Abwechslung, willkommen oder nicht. Also schnell frühstücken, Sachen zusammenpacken, bezahlen, erste Sortierarbeiten am Fahrzeug durchführen und um neun Uhr schon wieder weg sein.

Cloud PaintingDie Weiterfahrt liefert dann die Erklärung für die Trostlosigkeit. Der einzige Arbeitgeber der Gegend ist eine Minengesellschaft, die auch schon bessere Tage erlebt hat. Ich muß noch Geld ziehen, ein schwieriges Unterfangen am Monatsende. In den Ansiedlungen stehen lange Menschenschlangen vor den ATMs und vertrauenserweckend ist die ganze Geschichte auch nicht. Eine eingezogene Karte kann dann ganz schnell zum Problem werden. Aber vielleicht bin ich ja nur deutscher Sicherheitsfanatiker. Dann verfahre ich mich noch und die Zeit wird langsam knapp. Ich mache meine erste Pistenerfahrung bei dem Versuch wieder auf den richtigen Weg zu kommen. Um das ganze noch zu krönen, finden auf der Hauptstrasse, die ich nach einer Stunde Umweg wieder erreiche, Ausbesserungsarbeiten bis nach Upington statt. Baustellen in Südafrika haben immer nur eine Spur, da kann man schon mal eine halbe Stunde vor dem STOP-Schild warten. Und der südafrikanische Baustellenarbeiter hat Zeit…

Um vier Uhr nachmittags erreiche ich Upington, die letzte Stadt vor der Wildnis. Es ist Samstagnachmittag und die Main Road ist ausgestorben. Ich finde auf Anhieb einen ATM der auch Maestro schluckt und bin nun reichlich mit Rand ausgestattet. Also beschliesse ich, mich auf den direkten Weg in den Kgaligadi-Park zu begeben (ohne über Los zu gehen). Die Route von Upington in den Kgaligadi Park führt über eine Hochgeschwindigkeitsstrecke, hier testen wohl bekannte (deutsche) Autofirmen ihre Fahrzeuge auf Geschwindigkeit. Zu Beginn gibt es auch ein Warnschild, in dem vor schnell fahrenden Autos gewarnt wird (bis zu 250 km/h…) Interessant, da die Höchstgeschwindigkeit in Südafrika bei 120 km/h liegt. Die Strecke ist gut ausgebaut und absolut leer. Ein Umstand, der die Farmer im Karoo zu der Annahme verleiten lassen, dass ihre Strassen vernachlässigt werden, weil Sie ja eben nur Farmer sind. So ganz von der Hand zu weisen ist die Tatsache meines Erachtens auch nicht.

Die Strecke selber ist viel zu schade zum Rasen. Riesige rote Dünen geben einen ersten Vorgeschmack auf die Kalahari. Jetzt, kurz nach der Regenzeit, sind die bis zu zehn Meter hohen Dünen mit grünem Buschwerk bewachsen. Man kommt aufgrund der gut ausgebauten Wegstrecke sehr gut voran, unterbricht die Fahrt aber immer wieder, um die Einmaligkeit dieser schönen Landschaft zu bewundern.

Kgaligadi NP

Kgaligadi begrüsst den Reisenden mit einer opulenten Rezeption. Beherbergt die Rezeption auch die Einwanderungsbehörden von Botswana versteht man, warum diese Grösse gegeben ist. Man erfährt hier eine gewisse Distanz zwischen beiden Seiten. „You gotta talk to them, it’s not my issue…“

Nach 1.500 km mit einem Schnitt von 100 km/h fällt es gar nicht so leicht, das Tempo auf Gamedrive Niveau zu senken. Nachdem der Reifendruck auf 1,4 Atue nahezu halbiert wurde, schwimmt der 4×4 auf dem Sand nahezu. Aber man gewöhnt sich sehr schnell daran und reist auch wesentlich komfortabler.

Twe Rivieren ist das Main Camp im Kgaligadi. Der Campingplatz ist hervorragend versorgt, liegt aber tiefer als die Chalets, so daß man keine Aussicht hat. Hier gönnt man sich ein letztes Steak im Restaurant, bevor man nach Norden tiefer in den Park und in die Wildniss fährt. Auch macht man hier noch einmal ein letztes Mal seinen Unmut über Chips, die nicht durch sind oder das Steak, welches nicht auf den Punkt gegrillt wurde, Luft. Eigentlich die letzte Gelegenheit, im Restaurant noch mal so richtig zu meckern. Wenn man Europäer ist, will man ja auch in der Abgeschiedenheit der Wildniss nicht auf gewohnte Standards verzichten. Der italienische Großfamilientisch mit dem vorsitzenden Stammesoberhaupt kann es jedenfalls nicht.

Am nächsten Morgen mache ich dann meine ersten Erfahrungen mit der viel zitierten Bürokratie. Der nächste Campingplatz heisst Polentswa und liegt im Norden des Kgaligadi Parks. Da ich nach Botswana ausreise, muss ich also zuerst in Südafrika ausreisen und in Botswana einreisen. Wie gesagt: Ein grosses Gebäude mit fünf öffentlichen Personen und ein Reisender. Und ich habe sie alle gehabt. Begrüssung, Anliegen und Eintragung. Aber in der richtigen Reihenfolge… Erst auswandern, dann einwandern oder war es anders herum? Auf jeden Fall habe ich die Aus-/Einreise nach knapp einer halben Stunde hinter mir. Gut, das ich der einzige war…

KgaligadiDie Fahrt nach Norden führt über Sandpisten und lassen einen ersten Eindruck von der Weite der Kalahari erfahren. Hier sind die Dünen feuerrot und die Natur sehr grün. Jetzt, kurz nach der Regenzeit, ist das Gras ebenfalls noch grün und saftig. Man findet Herden von Gnus und den wunderschönen Oryx-Antilopen, auch Spiessböcke genannt.. Durch die Weite erfährt man auch die Langsamkeit in ganz besonderem Masse als angenehm. Es braucht seine Zeit anzukommen, also nimmt man sie sich

Apropos Weite. Nach dem ich in Johannesburg losgefahren bin, habe ich mit einer Tankfüllung unglaubliche 1.500 km gefahren. Ich habe erst in Twe Rivieren getankt, und da war der Tank noch nicht mal leer. Dies lässt mich glauben, das ich auf diesem Trip keine Spritprobleme bekommen sollte.

Bis Nossob, ein Camp in der Mitte des Parks, vergeht locker ein ganzer Vormittag. Nossob ist bekannt für Löwen, leider habe ich im ersten Versuch kein Glück, aber ich komme morgen wieder. In der Mittagshitze und dem Staub kommt dann auch das erste mal das Gefühl, in der Wildnis zu sein. Das Handynetz hat schon kurz nach Twe Rivieren aufgehört und die Einkaufsmöglichkeiten in Nossob sind auch begrenzt. Man schaut sich unwillkürlich nach Grasbüscheln, die im Wind durch den Ort fegen, um. Obwohl Nossob eigentlich noch recht zivilisiert ist, wie ich später erfahren sollte.

Im AbendlichtDie Weiterfahrt nach Polentswa wird dann von den ersten Löwinnen begleitet. Kurz nach einem Kill (leider konnte ich das Opfer aufgrund des hohen Gras nicht erkennen…) trottet sie in der Abendsonne genau auf mich zu. Ein unbeschreibliches Bild. Und zum ersten Mal hat man das Gefühl, der Natur wirklich nahe zu sein. Keine zwanzig Autos, keine laut klickenden Fotoapparate, kein hektisches Gekreische. Man stellt sich einfach nur hin, schaltet den Motor ab und geniesst dieses Bild. Die Löwin trottet mit dem unvergleichlichen Stolz und blutiger Schnauze direkt auf mich zu und läuft ohne Scheu im Abstand von fünf Metern vor meinem Wagen her. Unvergesslich, dafür bin ich hier.

Die Weiterfahrt nach Polentswa wird immer länger und länger und es wird schon dunkel, als ich auf die Campsite komme. Und sie ist schon besetzt. Francois und Anais haben Kühlerprobleme, also teile ich mir die Site (die zu den Schönsten im Park zählt) heute Nacht mit ihnen, einer Flasche Shiraz und Würstchen vom Grill. Und die Unmengen an Insekten, die durch unser Kerzenlicht fliegen und geröstet auf dem Teller liegen bleiben, nicht zu vergessen. Schmecken übrigens sehr nach pflanzlichen Bestandteilen…

Am nächsten Morgen stehe ich erst auf, nachdem die beiden losfahren. Wir haben uns noch mal verabredet, da sich unsere Wege eh noch mal kreuzen. Ich habe eine Nacht in Nossob und somit einen kurzen Weg. Jetzt stellt sich auch Gelassenheit und Ruhe ein. Die nördliche Hälfte des Parks ist sandiger und buschiger, deswegen eignet sie sich auch für erste 4×4 Versuche. Der Wagen reagiert ohne Probleme und da ich morgen auf einen 180 km langen Trail durch den Busch gehe, wird mein Gespür für den Wagen immer besser.

Auch macht Nossob seinen Ruf als Löwengrube wahr. Über den Hide kann man hervorragend auf das Flussbett blicken, etliche Löwenrudel dösen im Schatten, aufmerksam beobachtet von vorbeiziehenden Springböcken. Nossob liegt direkt am gleichnamigen Tal und viele Beutetiere kreuzen durch die Ebene. Aus diesem Grunde findet sich hier auch eine große Löwenkonzentration. Hier sieht man auch den (nur in der Kalahari vorkommenden) schwarzmähnigen Löwen. Ein besonders schönes und großes Exemplar posiert nahezu in der Abendsonne auf der anderen Seite. Die Löwen hier im Kgaligadi müssen nur alle fünf Tage fressen, im Gegensatz zu den Löwen im Krüger, die nahezu jeden zweiten Tag töten. Es scheint fast so, als würde dieser sich präsentierende Löwe fast sagen: „Hier ist mein Revier und ich bin satt…“

GoldenDer Abend wird mit einem gebuchten Gamedrive beschlossen, der aber nicht die geplante südliche Route nehmen kann, weil kurz hinter dem Eingangstor von Nossob acht (!) Löwen die Abendsonne auf dem Fahrweg geniessen. Und wenn so ein Löwe erst mal liegt… Also fahren wir nach Norden und finden trotzdem Tiere, die der normale Alleinreisende nicht sieht. Kalahari-Känguruhs (kleine Beuteltiere mit einem hohen Opferfaktor), Eulen, Schakale und viele weitere nachtaktive Tiere. Nach der Ankunft im Camp erhalte ich eine Einladung von Anton. Ein südafrikanisches Ehepaar aus Pretoria mit holländischen Wurzeln und einer hervorragend ausgestatteten Campingküche. Es gibt gegrilltes Huhn mit Reis und Gemüse. So lecker habe ich noch keine Feldküche erlebt, die beiden müssen südafrikanische Meister sein. Ich steuere wie schon am Vorabend die obligatorische Flasche Wein dazu und es wird wieder sehr spät.

Das Naturerlebnis beim Schlafen im Zelt ist komplett anders, als eine Übernachtung in der Lodge. Noch in Twe Rivieren und in Polentswa fühlt sich das grummelnde Löwengebrüll irgendwie unheimlich an, obwohl weit weg. Hier in Nossob klingt es so, als ständen die Löwen direkt nebem dem Zelt. Dies ist schon sehr intensiv und nicht unbedingt zum Durchschlafen geeignet.

Fahrt in den östlichen Teil des Kgaligadi-Parks

Polentswa Evening SkyDer 180 km lange Trial in den östlichen Teil des Kgaligadi Parks, der Mabuasehube genannt wird, ist eine erste Herausforderung für den 4×4 Fahrer. Sanddünen wollen überquert werden, tiefsandige Passagen wechseln sich mit sehr dichtem Buschwerk ab oder kommen gemeinsam und der Wagen bekommt erstmal richtig Arbeit. Hier erfährt man schnell die Grenzen eines 4 x 4. Einige Sanddünen benötigen einen zweiten Versuch, aber der es macht richtig Spass, sich in diesem unwegsamen Gelände durchschütteln zu lassen. Für die Strecke sind ca. sechs Stunden geplant, deswegen stehe ich um fünf Uhr auf. Eine erste Pause gibt es nach nahezu 4 Stunden auf dem einzigen Campingplatz auf dem Weg. Nach fast sieben Stunden Fahrens ( wohlgemerkt, für 180 km) ist der Weg geschafft. Nun gelangt man in einen Teil, in dem mehrere Salzpfannen liegen. Die Vegetation ist ähnlich buschig, die Pfannenränder weisen zum Teil steinige Wege auf. Die Campingsites (und es gibt nur Campingsites hier) liegen wunderschön an den Pfannenrändern mit einem Blick über Ebene. Die Pfannen haben Namen wie Mabuasehube, Mpayathutlawa oder ähnliche Zungenbrecher. Der Abend ist wunderschön, in der Ferne gibt es immer wieder mal Regenschauer, die mich aber nicht erreichen werden. Ich nutze diese wunderbare Stimmung zur Fahrt durch den Park. Auf den Wagen zu klettern und von dieser erhöhten Sicht auf die Pfannen zu sehen, gehört wohl zu dem Schönsten, was die Kalahari zu bieten hat.

Auf dem Weg nach MabuasehubeDie Nacht kommt im südlichen Afrika sehr schnell und es ist schon fast dunkel, als ich auf die Campsite komme. Ich bin auf der ganzen Pfanne alleine und jetzt mit der Dunkelheit stellt sich auch das erste Mal das Gefühl der Einsamkeit ein. Zunächst ein bedrohliches Unwohlsein (wohl auch begleitet durch Gewitterwolken) gewöhnt man sich mit jeder weiteren Stunde aber an die Abgeschiedenheit. Selbst einfache Tätigkeiten wie z. B. das Zelt aufbauen, sind mit der notwendigen Vorsicht und Aufmerksamkeit zu erledigen. Ein Unfall oder eine Nachlässigkeit kann hier sehr schnell zum grossen Problem werden. Der nächste Mensch ist vielleicht 20 km entfernt, der nächste Ort erst in sechs Stunden Fahrt. Schnelle Hilfe ist somit ausgeschlossen. So erfährt man wieder, wie wichtig es ist, Selbstständigkeit zu bewahren und Abhängigkeiten zu vermeiden.

Man gewöhnt sich auch schnell an die Annehmlichkeiten, die die Zivilisation bietet. Genau hier erfährt man das Gegenteil. Duschen ist Umstand, einfaches Händewaschen Aufwand. Kochen bedarf Zeit, Essen wird viel mehr beachtet. Lichtschalter gibt es nicht, Lichtquellen müssen vor Einbruch der Dunkelheit aufgebaut sein. Da werden die Annehmlichkeiten der Zivilisation neu eingeschätzt.

Am nächsten Morgen ist der Mabuasehube Teil ist schnell erkundet, obwohl man auch länger in diesem Teil des Parks verbringen könnte. Die Pans liegen recht regelmässig ca. 10 km auseinander, die Wege sind gut befahrbar. Durch die Pans schleichen die Klischees der Kalahari. Herden von Gnus, Oryxen und Springböcken. Auch Einzelgänger trotten in die Pans um den Schutz der nicht vorhandenen Deckung (und damit die Anschleichmöglichkeit für Raubtiere) zu suchen. Hier erfährt man sehr viel Kalahari.

Im Moment der Ausreise aus dem Park wird einem die Abgeschiedenheit dieses Gebiets bewusst. Es ist eine vierstündige Tour durch tiefsten Sand bis zu den nächsten Farmen. Sind diese erst einmal erreicht, benötigt man noch einmal eine Stunde bis nach Kang, wo man eine Tankstelle, ein paar Gehöfte als so etwas wie „back to life“ erfährt.

Ich gönne mir für die Nacht einen Aufenthalt im Kalahari Arms Hotel. Diese ehemalige Armeebehausung liegt mitten in Ghanzi und bietet einen idealen Einstieg in die Central Kalahari. Auch die erste richtige Mahlzeit mit Beilagen und frischen Zutaten wird dementsprechend gewürdigt. Eine gute Gelegenheit, seine Akkus aufzutanken, denn am nächsten Tag geht es in das Herzstück meiner Reise, in die Central Kalahari.

Die Central Kalahari

Ich war nie sicher, ob ich mich alleine auf die Querung der Central Kalahari wagen sollte. Der Abenteuercharakter und das Sicherheitsdenken haben sich stets die Waage gehalten. Viele Menschen haben mir zu verstehen gegeben, das sie nicht unbedingt Verständnis für diese Art zu Reisen haben. Jetzt, am Tag des Antritts der Reise wäge ich die Risiken und die Erwartungen noch einmal ab. Immer mehr werde ich auch durch die Erfahrungen der letzten Tage bestärkt, den Weg zu wagen. Ein letzter Besuch des „Botswana Tourism Büros“ beseitigen auch die letzten Zweifel. Nach Auskunft des Guides sind die Tracks nach Xade (das Eingangstor der Central Kalahari) sowie die Tracks im Park trocken und wieder gut befahrbar. Der „Tourism Guide“ war selber in der vorletzten Woche noch in Xade. Das gibt den Ausschlag.

In diesem Gespräch bemerkte ich eine Besonderheit der botswanischen Aussprache, über die ich bislang nur gelesen hatte. Das X in den Eigennamen wird mit einem hohen Klicklaut gesprochen, vergleichbar mit einem Zungeschnalzen, nur eben wesentlich höher. Mir ist es nicht gelungen, diesen Klicklaut auch nur annähernd realistisch wiederzugeben. Auch meine Lehrstunde mit dem Guide hilft nicht wirklich und auf der Fahrt nach X(klick)ade übe ich unermüdlich.

Ein Traum?Der Weg nach New Xade, die letzte Ansiedlung vor der Central Kalahari, ist leicht zu befahren. 100 km harte Staubpiste und ich bin schon etwas enttäuscht. Einen Allrad benötigt man hierfür nicht. Was danach kommt, setzt allerdings schon fahrerischen Anspruch voraus. 70 km absoluter Tiefsand. Wühlerei und Arbeit. Wer hier steckenbleibt, hat einige Stunden schaufeln vor sich. Aber es klappt. Ich bin zwar noch nicht in der Central Kalahari, aber auf dem besten Weg dahin. So langsam fügen sich auch die ersten Bilder des Rufes der Kalahari zusammen. Immer wieder klettere ich auf den Wagen um Panoramas zu schiessen. Graslandschaften in der Sonne, die sich im Wind wiegen. Farbenpracht, die ihresgleichen sucht. Kontraste von weissem Sand, grün-gelbem Buschwerk und stahlblauem Himmel. Die Wolken geben eine wunderschöne Tiefe.

Als ich auf einem der Panoramaschüsse mal wieder auf dem Wagen bin, fallen mir mehrere Geier auf, die in einiger Entfernung auf dem Boden stehen. Ein Blick durch das Fernglas gibt mir Gewissheit. Hier muß ein Löwe kurz zuvor einen Kill gehabt haben. Und dann entdecke ich ihn. Ein mächtiger schwarzmähniger Löwe, inmitten von ungefähr 50 Geiern, die nur darauf warten, daß er seine Beute – einen Oryx – freigibt. Ich suche zur Sicherheit das Wageninnere auf und freue mich über diesen einmaligen Anblick.

Keine vier Kilometer weiter erreiche ich Xade, das Eingangstor zur Central Kalahari. Hier habe ich ein nettes Gespräch mit Base, der in diesem Monat noch keinen Gast hatte. Genau genommen ist laut Eingangsbuch der letzte Gast vor fünf Tagen in die Central Kalahari gefahren. Da bin ich doch etwas irritiert. Eine öfter frequentierte Querung sieht eigentlich mehr Verkehr vor, oder?

Ich bin also der erste Eintrag im März 2011 und werde den Eindruck nicht los, Base möchte mich nicht mehr ziehen lassen. Er bietet mir eine Dusche an, fragt mich nach meinen Lieblingsverein, etc… Ich habe aber noch drei Stunden Fahrt bis zu Piper Pan vor mir und wollte eigentlich bei Tageslicht die Pfanne erreichen. Die drei Stunden sollten eigentlich leicht zu befahren sein, allerdings lügt hier der Reiseführer. Die Piste wird wieder tiefsandig, das Buschwerk dicht und der fahrerische Anspruch ist unvermindert hoch.

TracksIch erreiche die Piper Pan mit den ersten Abendlichtstrahlen und bin begeistert. Gelbes Gras, umringt von grünem Buschwerk vor tiefblauen Abendhimmel. Dies ist genau die Landschaft, die Kalahari heisst. Die Landschaft, die man aus Dokumentationen kennt und die die eingängigen Klischee bedient.</p>

<p>Ich erreiche meine Campsite und bin dann doch etwas enttäuscht. Kein Überblick über die Pan, stattdessen mittendrin. Ich sondiere hier lieber vor dem Aussteigen erst einmal die Umgebung, damit ich nicht ungewollt zum Dinner für irgendwelche Großkatzen in der Umgebung werde. Da ich bislang keine Menschenseele gesehen habe, beschliesse ich, die andere Site auf der Pan zu nehmen, die etwas erhöht liegt. Ich schlage gerade meine Zelte auf, als mich ein weiterer Wagen passiert. Na also, doch nicht allein auf 150 km. Ich warte, ob der Besucher zu „seiner“ Site will und bereue eigentlich schon den Wechsel, da hier zwar etwas mehr Überblick ist, aber auch Käfer ohne Ende. Schliesslich kommt der Besucher der Kalahari doch zu meiner Site. Ein Alleinreisender aus Deutschland stellt sich mit HaJo vor und wir beschliessen, den Abend auf meiner Site gemeinsam zu verbringen. Nach dem Umzug verläuft der Abend recht harmonisch und wir werden den Rest der Kalahari-Querung teilen und damit das Risiko eines Scheiterns minimieren.

HaJo hat ausserdem umfangreiche Kalahari Erfahrungen, so daß ich die zusätzliche Sicherheit schnell geniesse und mich viel mehr auf das Fotografieren konzentrieren kann. Am nächsten Tag ist das Licht unglücklicherweise nur am Morgen gut, aber die Querung der Kalahari verläuft ohne Probleme. Ab der Piper Pan ist die Wegstrecke unproblematisch. Wir nutzen die Querung zu einem grossen Gamedrive und wollen am Abend im Deception Valley sein.

Wir fahren nun einzelne Pfannen an und begegnen immer wieder anderen Reisenden. Die Piper Pan als Satellit wird demnach häufig von Querern angefahren, der Eindruck entsteht, daß der normale Besucher im Gebiet der Deception Valley bleibt, um in Motswari auf der anderen Seite ein- und auszufahren. Die Gegend hier im westlichen Teil des Hauptgebietes ist sehr abwechslungsreich. Wir finden (auch dank des gerade vorbeifahrenden Central Kalahari Research Teams) Löwen im hohen Gras und fahren von Pan zu Pan. Die Tau Pan ist eine der schönsten Pfannen in der Kalahari. Hier finden sich große Ansammlungen von Gnus, Oryxen und Springböcken. Schnell merken wir, das wir den ursprünglich geplanten Weg durch das Deception Valley zeitlich nicht mehr schaffen.

Mpayathutlawa PanEs fängt zu regnen an. In der Kalahari, in der Wüste. Nicht wirklich schlimm, aber sehr heftig. Der Regen passiert uns und als wir im Deception Valley ankommen, ist es schon wieder trocken. Ja, der Himmel zeigt sogar erste Anzeichen von Beruhigung. In der Kalahari gibt es eine sogenannte „Main Road“, eine kerzengerade Strecke mit besseren Fahrmöglichkeiten als auf den „Nebenstrecken“. Durch die gerade Streckenführung gelangt mit relativ wenig Kraftaufwand schnell durch die Kalahari. Man darf sich die Main Road nicht als „Autobahn“ vorstellen, dazu steht das Buschwerk sehr eng. Trotzdem kommen wir sehr gut voran, so daß das Regengebiet schnell durchquert wird. Kommt man an das Ende der Main Road, erstreckt sich das Deception Valley als ein wunderschönes, weites Tal mit riesigen Grasflächen, Akazienbäumen und der ersehnten Weite. Auch hier finden sich riesige Ansammlungen von Tierherden. Eine Landschaft zum Niederknien schön. </p>
<p>Der Roman „Cry of the Kalahari“ von Mark und Delia Owens ist in dieser Gegend entstanden. Meiner Meinung nach ist hier auch die Perle der Kalahari. Diese Landschaft verbindet viele Klischees, die mit dem Klang der Kalahari verbunden sind. Von hier aus sind es bis zum östlichen Gate nur noch ca. 40 km. In diesem Moment realisiert man eher nebenbei, daß auch noch die Querung der Kalahari gelungen ist.

Nachdem sich die erste Euphorie legt, erkennt man sehr schnell, dass man ab hier auch nicht mehr alleine ist. Unzählige Veranstalter führen hier Gamedrives für Nichtselbstfahrer und Eingeflogene durch. Neben der Tatsache, dass vor kurzem auch noch in der Nähe der Tau Pan erste „Luxus-Unterkünfte“ entstanden sind, macht sich der Eindruck breit, daß die eigentliche Wildnis, die Unberührheit der Landschaft und die Einsamkeit auch hier ganz massiv schwindet und kommerzielle Interessen in den Vordergrund rücken.

Interessant ist auch der Eindruck, den man gewinnt, schaut man in die Gesichter der Tracker und Veranstalter. Der „Einzelreisende“ wird hier eher nicht so gerne gesehen. Dies hat ganz einfach monetäre Gründe. Der Pauschaltourist lässt ein Vielfaches an Devisen in diesem Teil des Parks, als der Individualtourist, der seine Unterkunft und Verpflegung mitführt. Realisiert man diese Tatsache, ist die Wildnis relativ schnell aus der Realität entschwunden. Die wahre Wildnis findet sich demnach nur noch in den Randgebieten der Kalahari.

Wir schlagen unser Nachtquartier an der Sunday Pan auf, es regnet wieder leicht. In der Hoffnung auf besseres Wetter morgen, machen wir unsere Pläne für den letzten Tag. Mir war nicht bewusst, dass am Abreisetag bis 11.00 Uhr ausgecheckt sein muss. Also reicht es noch für einen kurzen Gamedrive morgen früh und anschliessender Weiterfahrt.

Der Rest der Kalahari bis zum Motswari Gate ist schnell erzählt. Eine wunderschöne Landschaft, die mit den Tracks der Reisenden durchzogen ist. Aufgrund der letzten starken Regenfälle zeugen noch einige tiefe Ausfurchungen von festgefahrenen Fahrzeugen und viel Schlammschaufelei. Da der östliche Teil des Central Kalahari Game Reserve sehr stark frequentiert ist, ist der Untergrund auch fester und lehmiger als im westlichen Bereich. Geht man den Schlammlöchern und den Ausfurchungen aus dem Weg, stellt dieser Teil der Central Kalahari kein Problem mehr dar.

Matswere GateAm Gate empfängt uns die Zivilisation in Form einer etwas „aufgekratzten“ Rangerin. Interessant ist, daß an den Gates die Ranger unbedingt fremde Sprachen erlernen wollen. Wir erklären alle Bergüssungsfloskeln in Deutsch, müssen sie mehrfach wiederholen und aufschreiben. Offensichtlich vertreiben sich die Ranger an den Toren so ihre Langeweile. Nicht die schlechteste Art, ich bin mal gespannt, ab wann die ersten Gespräche komplett in der jeweiligen Landessprache geführt werden.

In Rakops, auf der anderen Seite der Kalahari angekommen, suchen wir zunächst den örtlichen Reifenhändler auf. HaJo muss seinen Reifenschaden beheben lassen und ich erhöhe den Luftdruck für die bevorstehende Asphaltstrecke. Wobei Reifenhändler eigentlich sehr übertrieben für die Hinterhofbruchbude gemeint ist. Es gibt eigentlich keine Reifen zu kaufen, platte Reifen werden in der Regel geflickt, ohne Rücksicht auf die Profiltiefe. Man erkennt diese Dienstleister eigentlich nur an den Kompressoren und der grossen Wanne, in dem das Loch mit Wasser ausfindig gemacht wird.

Wir verabschieden uns und ich fahre weiter, kaufe aber noch in Rakops fehlende Vorräte ein. Der Einkauf gibt einen kleinen Einblick in das Afrika, welches uns wohlgenährten Mittelstandseuropäern verborgen bleiben wird. Ich bin nicht lange in dem Dorf, aber es bleibt ein Eindruck der Einfachheit und auch der Armut. Auf der einen Seite der „Kaufmannsladen“ mit abgewetzten Ladenregalen, übersichtlichen Angebot und schon schimmeliger Ware. Auf der anderen Seite die Bar, in der ich noch drei Bier für den Abend kaufen möchte. Die Bar ist bestens ausgestattet, was das Angebot an Alkoholika angeht. Der Rest des Interieurs entspricht dem Ladenlokal. Aber bezeichnenderweise ist das Alkoholangebot besser als das Lebensmittelangebot.

Weiter in Richtung Norden

Ich verlasse Rakops in Richtung Norden zur Nxai Pan, hier soll der wunderschöne Campingplatz an den Baines Baobabs mein Nachtquartier sein. Soll…

Auf der Fahrt zur Pan kommen die bedrohlichen Gewitterwolken immer näher und just als ich das Tor erreiche, beginnt es zu regnen. Oder sollte ich besser sagen, es fängt an zu schütten. Da ich nicht wirklich Lust auf eine nasse Nacht im Zelt habe, überlege ich Alternativen.

Da wäre zum einen die Weiterfahrt nach Nata, meinem nächsten Ziel, ich würde einen Tag gewinnen und hätte eventuell neue Möglichkeiten in Südafrika. Andererseits soll die Nxai Pan noch einmal ein wunderschönes Highlight bieten. Da ich nun Zeit habe, diskutiere und unterhalte ich mich lange mit den Rangern am Gate, in der Hoffnung, der Regen hört in der Zwischenzeit auf. Leider ohne Erfolg.

Schliesslich fasse ich den Entschluss in der Nähe zu bleiben und auf morgen zu hoffen. Es findet sich mit dem Planet Baobab eine Art Austeigerunterkunft, die ich mir einmal näher ansehen werde. Also fahre ich die 70 km nach Gweta weiter. Dort angekommen, erfahre ich über den Wetterbericht, der mir freundlicherweise vom Inhaber aus dem Internet gesucht wurde, das die Regenfront morgen vorbeigezogen ist. Ich checke also ein und geniesse ein paar Stunden in der Lodge zwischen Baobabs und Luxus.

Der Morgen ist in der Tat wunderschön. Die klare Luft und das zu erwartende Sonntagsfrühstück heben die Stimmung ungemein. Zum Frühstück gesellt sich auch noch Masego, ich muß nicht alleine frühstücken und erfahre auch noch einiges über das Leben in Botswana und den Fat Balls, den Berlinern, die zum Frühstück gereicht werden.

Die Nxai Pan ist eine weitere unterschiedliche Landschaftsform der Kalahari. Im Süden des Parks steht das Buschwerk nur sehr vereinzelt, dafür gibt es ausgiebige Grasflächen. Ich fahre zunächst zu den Baines Baobabs, einer Gruppe von Baobabs die sehr malerisch in die Landschaft gefügt sind. Es hat den Anschein, als ständen die Bäume auf einer Art Insel.

SalzpfanneSchon auf der Anfahrt zu den Baines Baobabs lichtet sich plötzlich die Graslandschaft in eine riesige Pfanne, die einen sehr hohen Salzgehalt hat und dadurch nicht bewachsen ist. Diese Salzpfanne macht auch einen sehr trockenen Eindruck, so daß sie unproblematisch zu befahren ist. Klettert man in dieser Pfanne auf den Wagen, erschliesst sich erst die ganze Schönheit der Landschaft. Durch den erhöhten Standpunkt hat man einen anderen Winkel. Die Pfanne erscheint dadurch noch heller, reiner und steht in sehr schönem Kontrast mit dem dunkelblauen Himmel. Diese Einmaligkeit einer trockenen Salzkruste hätte ich auch von den anderen Pfannen der Kalahari erwartet. Aber vielleicht ergibt auch gerade die Unterschiedlichkeit der einzelnen Landschaftsbilder diesen nachhaltigen Eindruck.

Ich verbringe den Vormittag an den Baines Baobabs und fahre anschliessend weiter in den eigentlichen Nxai Pan Park. Der Weg in den nördlichen Teil des Parks ist wieder von kurzen tiefsandigen Abschnitten geprägt, die aber nun ebenfalls kein Hindernis mehr darstellen. Der Nordteil fängt bei den ehemaligen Gebäuden, die das alte Entrance Gate umfassen, an. Hier fahre ich noch einmal einen Loop als Gamedrive. Leider reicht die Zeit nur sehr kurz, doch ist die Landschaft sehr tierreich.

Neben den Tierarten aus der Central Kalahari gesellen sich nun auch noch die Arten, die ich bislang von den anderen Parks kenne. Zebras, Giraffen, Elefanten und Impalas finden sich hier wie alte Bekannte wieder. Der Loop ist nur sehr kurz, da ich noch nach Nata weiterfahren muß und ungerne im Dunkeln ankommen möchte.

Es gibt in Botswana eine ganz besondere Art der Verkehrsberuhigung. Das Weidevieh sucht besonders in der Dämmerung und in den ersten Nachtstunden die Nähe der durch Sonne aufgewärmten Strassen. Mit einer stoischen Ruhe überqueren Kuh, Esel, Stier und Ziege die Strasse, als gäbe es keine Kuhfänger und Stossstangen. Mit der hereinbrechenden Dunkelheit ist die Erfahrung, mit 120 Stundenkilometern auf eine braune undefinierbare Masse zuzufahren, nicht selten mit Wutflüchen begleitet. Manchmal ertappe ich mich dabei, die Festigkeit meines durchaus massiven Stossfängers doch einmal zu testen, nachdem man von 120 wieder einmal auf 30 heruntergebremst wurde.

Zudem besteht noch eine weitere Tatsache, die die Ärgerlichkeit dieser Art dieser Verkehrsberuhigung untermauert. Die Strassenzustände Botswanas können sicherlich als die besten in Afrika bezeichnet werden. Breite, gerade Strassen nahezu ohne Schlaglöcher laden geradezu ein, die Erlebnisse des Tages bei einem beruhigenden 120 Stundenkilometer-vor-sich-hinrauschen zu verarbeiten. Wären da nicht die oben beschriebenen Abwechslungen im Fahrrhythmus…Tau Pan

Ich erreiche Nata bei dunkelster Nacht. Kurz vor Sonnenuntergang schiebt sich noch eine massive Regenwolke, die den Finger nicht mehr vom Scheibenwischer gleiten lässt, in den Abendhimmel. Es regnet aber nicht. Dafür wird die Schwärze der Nacht noch verstärkt. Auf meine Frage, ob es heute Nacht regnet, verneint mir die Dame von der Rezeption mit einer Gewissheit, die mich an den direkten Draht nach oben glauben lässt. Also buche ich bei Ihr kein teures Chalet, sondern entscheide mich für den Campingplatz. Ich glaube, der nächste Camper bekommt auf diese Frage eine andere Antwort.

Der Campingplatz ist ausgestorben und die Sanitäranlagen in absolutem Topzustand. Die Lodge hat ein hervorragendes Restaurant und eigentlich nur ein Manko. (Eigentlich ist es nur mein persönliches Manko) Durch die direkte Anbindung an die Hauptstrasse ist die Lodge Durchgangsübernachtung für Gruppenreisen. Also lausche ich beim Abendessen der schwäbisch-bayrischen Hakuna Matata Reisegesellschaft und freue mich darauf, morgen wieder alleine unterwegs zu sein. Die subjektiven Ausführungen über den „Schwarzen an sich“ und den damit verbundenen guten Ratschlägen, was er besser machen sollte, sind von einer Naivität geprägt, die eigentlich nicht unwidersprochen sein sollten. Getoppt werden die Anmassungen der guten Ratschläge dann noch von dem üblichen „Hab-ich-schon-gesehen-und-war-auch-schon-da“ Aufzählungen, unterbrochen nur von dem triumphalen Genuß der Stille, hat der Erzähler doch einen exotischen Ort erwähnt, an dem noch kein anderer war. Ich glaube, ich wäre kein guter Reiseleiter.

Die englische Reisegesellschaft jüngeren Alters lauscht hingegen andachtsvoll Ihrem Reiseleiter. Keine persönlichen Eindrücke und Ausführungen, eher erschöpftes Schweigen. Vielleicht war es auch mehr ein überraschtes „Oh-nein-nicht-schon-wieder“ als der Reiseleiter die Abfahrtszeit für den Folgetag bekannt gibt. Eine Viertelstunde nach Frühstück um 5:30 Uhr. Knackig, knackig. Diese überraschte Ansage lässt dann auch einige Mitglieder der Reisegruppe ihre immer noch auf volle Lichtstärke eingestellten Stirnlampen vergessen, so daß das Candlelight-Dinner doch gehörig an Reiz verliert. Ich stelle mir jedenfalls etwas Besseres vor, als sich mit Stirnlampen zu unterhalten.

Nata Bird Sanctuary und der letzte Tag

Diese Beobachtungen machen Lust auf die letzten verbliebenen zwei Tage meiner sozialen Auszeit. Am Morgen fahre ich in das nahegelegene Nata Bird Sanctuary, um die Flamingo- und Pelikanmassen zu beobachten, die während der Regenzeit den dann künstlich entstandenen See zur Brutmöglichkeit nutzen. Ja, was soll ich sagen. Der See war da.

Nach fast einer Stunde erfolgreichen Durch-Schlamm-und-Wasserwühlens und ebenfalls erfolgreichen Finden fast der Hälfte aller versteckter Lehmschlaglöcher (die übrigens genauso rumpeln können, wie echte Teerschlaglöcher) erreiche ich den See, der schon umfangreiche Ausmasse hat. Man kann sich auch gut die Flamingokolonien vorstellen, die den Horizont rosa färben und die Pelikanschwärme, die durch die Lüfte ziehen. Die menschliche Vorstellungskraft lässt sich allerdings nur sehr schwer in Fotografien darstellen und so verzichte ich auf Detailaufnahmen der zwei Fischreiher in weiter Ferne und lasse stattdessen die Ruhe der Umgebung auf mich wirken.

Nachdem ich auf dem Rückweg auch die andere Hälfte der Schlaglöcher finde, mache ich mich auf den Weg nach Martins Drift, dem Grenzübergang und der ersten Hälfte meiner langen Rückreise von Nata nach Johannesburg. Ich passiere mehrere Grenzzäune, die Epidemien im Zaum halten sollen und durchaus von stattlichen Wächtern unterstützt werden sollen.

Etwa eine Stunde vor Francistown bittet mich eine lustige, massiv beleibte und typisch burschikose Hüterin der Epidemien zwei Fragen zu beantworten: Was ist in meinem Autofond und was ist davon für Sie? Nachdem ihr schallendes Lachen über Ihren Witz wieder die Normallautstärke von ca. 130 dB erreicht hat, entgegne ich ihr mit einfacher Antwort: „Zwei mal dasselbe: Nichts“, was Ihre Heiterkeit wieder auf Düsentrieblautstärke anschwellen lässt. Ich sehe, wir verstehen uns.

Prompt lässt sie mich auch aussteigen und den Kofferraum öffnen. Ich kann Sie gerade noch davon abhalten, einzusteigen und mit Ihrer massigen Figur stecken zu bleiben, da eröffnet Sie mir den Grund der Kontrolle: „Ob ich Ihren Bruder mit nach Francistown nehmen könnte?“ – „Könnte ich schon, darf ich nur leider nicht.“ Sie hat Verständniss, entgegnet mir aber, ich solle beim nächsten Mal mit einem Auto vorbeikommen, mit dem ich Ihren Bruder mitnehmen kann. Ich liebe den afrikanischen Humor.

Khama PanDie weitere Fahrt nach Francistown kommt gut voran und da ich Nata früh verlassen habe, gewinne ich Zeit und die Erkenntnis, daß ich noch einen kurzen Abstecher in das Khama Rhino Sanctuary machen könnte. Dies würde zwar einen Umweg von ca. einer Stunde bedeuten, aber gleichzeitig noch zwei Stunden unerwarteten, zusätzlichen Gamedrive. Ich entschliesse mich dazu.

In Serowe im Khama Rhino Sanctuary angekommen, werde ich auch nicht enttäuscht. Sehe ich nach kurzer Fahrt und Suche auf freier Fläche fünf lehmverkrustete Nashörner, etliche Warzenschweine und weitere Giraffen. Dieser Ausflug hat für den doch ernüchternden Besuch des Nata Bird Sanctuary entlohnt.

Beseelt von dem doch noch schönen Abschluss des Tages mache ich mich auf die letzten 150 Kilometer nach Martins Drift und auf die damit verbundenen 150 Kilometer tierischen Strassenberuhigungen.

Khama Rhino SanctuaryIch erreiche also Martins Drift in der Nacht und bin froh, hier nicht schon nachmittags angekommen zu sein. Die Kwa Nokeng Lodge ist Endziel für übermüdete Autofahrer, die keine Lust mehr auf Grenzformalitäten haben und nur die eine Nacht schlafen wollen. Da die Lodge eine begrenzte Anzahl relativ günstiger Safarizelte besitzt, habe ich erst mit dem Gedanken gespielt, vorzureservieren. Dies hätte aber wieder erheblichen Aufwand bedeutet. Was soll ich sagen: Das Safarizelt ist deswegen so günstig, da die Zelte unmittelbar neben der Stahlbrücke über den Limpopo liegen. Bei jeder Grünphase fährt so ein Mehrfachtonnen-Diesel direkt auf deinem Verandagitter über den Fluss. Dafür ist um 22.00 Uhr Schluss, da dann die Grenze schliesst.

Beim Dinner bin ich auch der einzige und habe fast schon ein schlechtes Gewissen, die Zwanzigschaft an Bediensteten vom verdienten Fernsehabend abzuhalten. Das Essen ist allerdings vorzüglich, so daß ich gestärkt den zweiten Teil des Rückwegs am Morgen antreten kann.

Die Überfahrt über Martins Drift erweist sich als nicht ganz unproblematisch für den nicht grenzerfahrenen EU-Bürger. Viermal aussteigen und sage und schreibe sechs Stempel werden verteilt, damit ich aus Botswana ausreisen und nach Südafrika (für einen Tag) einreisen kann.

Für die Weiterfahrt nach Johannesburg habe ich die landschaftlich schöne Strecke via Ellisrust und Vaalwater bzw. Modimolle gewählt. Hier auf den Nebenstrassen kommt man sehr gut voran und so erreiche ich die Autobahn und Johannesburg drei Stunden früher als geplant.

Zurückblickendes Fazit

Nun also zurück in der Zivilisation. Aber war ich wirklich weg? Ich glaube, diese 12 Tage waren eher eine Auszeit mit Abenteuercharakter. Hätte ich mich auf einen Selbstfindungstrip begeben, würde ich mich wohl noch immer suchen. Das Risiko, das etwas schief geht, ist im Nachgang betrachtet, absolut kalkulierbar. Und so stellt eine solche Reise für einen etwas abenteuerlich veranlagten Sicherheitseuropäer überhaupt kein Problem dar. Immer wieder interessant sind Reaktionen von den Menschen, die noch nie vor Ort gewesen sind.

Das eigentlich Schöne an der Reise und am Reisen allgemein, ist eigentlich nur die Erweiterung des Horizonts, verbunden mit der Möglichkeit auch mal an Grenzen zu gehen. Diese Reise war sicherlich keine Erholung, bei fast 4.600 km in 12 Tagen (und davon ca. 2.000 km Off Road) aber dies war auch so nicht geplant. Hier war der Weg das Ziel.Goodbye Botswana

Die Wertschätzung einer Afrikareise ist immer eng mit den Erwartungen verknüpft. Durch meine Südafrikareisen wusste ich schon im Allgemeinen, was mich erwartet. Die Planung war ambitioniert und hat sich im Nachhinein als gut durchführbar erwiesen. Die ganzen kleinen Randgeschichten, Eindrücke, Erfahrungen und Beobachtungen, die in diesem Bericht nicht erwähnt sind, sind so unzählig und nachhaltig.

Der Bericht ist mit der Frage „You Are Travelling Alone?“ überschrieben. Dies ist eine interessante Beobachtung, die ich euch nicht vorenthalten möchte. In jeder Lodge, an jedem Gate und in vielen Gesprächen am Rande taucht immer sehr schnell die Frage auf, warum ich alleine reise. Aber im Grunde reise ich gar nicht allein. Durch die Vielzahl der offenen und großteils freundlichen Menschen kommt eigentlich kein Gefühl der Einsamkeit auf. Und nachdem ich zum dritten Mal gefragt werde, habe ich auch schon die passende Antwort. „I`m travelling alone, but I`m not alone“. Und da ist wieder dieses breite, weisse Lächeln der Afrikaner, in dem sie dir ganz unverholen Ihre Lebenslust entgegenlachen.

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