Ostseeküste, Deutschland

Ostdeutsche Farbgewalt

veröffentlicht 14. Okt. 2016 | Kategorien Deutschland- Europa- fotografieren

Fotografische Notizen aus Neuland

Liegt es an der späten Jahreszeit, an der klaren Seeluft oder ist es landschaftlich immer so? Die Farbenpracht der ostdeutschen Ostseelandschaft wurde so nicht erwartet. Das ultraviolette Licht zum Sonnenuntergang gibt die blaue Kühle des zu erwartenden Winters eindrucksvoll wieder. Das Meeresblau wirkt eher noch kühler und blaustichiger als der pastellene Nordseefarbton. Selbst Nachtaufnahmen wirken mit einer gewissen Mystik oder Romantik.

Es sind weniger Grautöne in den Landschaften. Diese Grautöne wissen die Wälder zu verhindern, die unmittelbar am Strand stehen. Und so bieten sich bisweilen abwechslungsreiche Grünblaukombinationen ohne grauverhangene Nebel- oder Wolkenformationen. Lichtdurchflutete Wälder geben immer wieder Blicke auf das Meer preis. Das Hinterland, karg und landwirtschaftlich, bietet idealen Lebensraum für eine ganz bestimmte Art der fliegenden Fauna.

Kettenkraniche

Und so beobachten wir in diesen nahenden Wintertagen Kraniche, die auf dem Weg  in ihr Winterrevier hier Halt machen. Tausende sind es in dieser Zeit. Ihre Flugformationen werden Ketten genannt und sehen aus wie Einsen oder Kleinerzeichen. Oft kündigen sie ihre Ankunft mit lauten Tönen an, so als wollten sie Werbung für IHRE Kette machen. „Fliegen Sie mit uns, kräftesparend und effizient. Beste Nistplätze werden angeflogen.“

Vorder- und Hinterland

Der urbane Lebensraum hingegen teilt sich in zwei Gruppen auf. Direkt am Meer gelegen haben Städte wie Fischland, Darß, Zinnowitz, Zingst hervorragende Aussichten. Blühende Landschaften sozusagen. Gleich dahinter im Binnenland sehen die Orte verlassen und aufgegeben aus. Keine Arbeit in Sicht, kein Grund zu bleiben. Der Bäcker kennt genau sein Arbeitspensum: 23 Brötchen und 3 Brote pro Tag. Für die Dagebliebenen oder Nichtwegkönnenden.

Und dieses negative Bild verfestigt sich immer mehr in den Menschen und prägt ihr Auftreten. Selten ein Lächeln, noch seltener ein freundliches Wort. Nahezu in Schwarz und Grau gekleidet, scheint es mir, als würden auf etwas gewartet. Bessere Zeiten?

Dabei leben diese Menschen in der besten Zeit an wunderschönsten Orten. In von Naturkatastrophen verschonten Gebieten. Es ist die Zivilisation, welche grosse Mühen bereitet. Nein, hier werde ich häufiger daran erinnert, nicht als Gast gesehen zu werden.

Und so erscheint die Farblust der Fotografien von der deutschen Ostseeküste in umso schönerem Licht.

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