Bali welcomes you

veröffentlicht 21. Mrz. 2016

Bali ist im Gegensatz zu Java vorwiegend hinduistisch geprägt und wird auch die Insel der tausend Tempel genannt. Eine glatte Untertreibung. Nahezu jedes Haus hat seinen eigenen Schrein. Der hinduistische Glaube sieht einen umfangreichen Ahnenkult vor. Dazu zählt unter anderem, die Eingangspforte morgens, mittags und abends mit kleinen Gaben, Blumen und Räucherstäbchen als Einladung für die Ahnen zu verschönern. Ein Fest für die Hauskatzen. Aber auch für die Sinne, der Geruch von Räucherkerzenduft hängt in der Luft und jedes Haus hat ein kleines Körbchen mit Blumen auf dem Bürgersteig.

Nach einem Crashkurs in hinduistischen Religionsgrundlagen bin ich einigermassen beeindruckt. Die linke Hand gilt als unrein, d. h. gegessen, begrüsst, kommuniziert und überreicht wird ausschliesslich mit rechts. Schlechte Zeiten für Linkshänder. Tempel betritt man mit der richtigen Kleidung. Ein Sarong ist das mindeste, kurze Hosen sind gänzlich verpönt. Oftmals wird auch noch eine Art Scherpe verlangt. Häufig anzutreffen ist auch noch die traditionelle Kopfbedeckung der Balinesen, der Udeng. Aber in der Regel reicht für Touristen zum Betreten eines Tempels der Sarong.

Als Grundlage für Verhaltensregeln ist auch noch das richtige Sitzen anzumerken. Niemals sind die Füsse oder Beine jemanden entgegenzustrecken und da es eigentlich keine Möbel gibt, ist die Sitzgewohnheit auf dem Boden in der Regel für uns Westeuropäer eher unkomfortabel und mit eingeschlafenen Beinen, gequetschten Füssen und geklemmten Zehen verbunden.

So ausgerüstet lassen wir uns auf das Abenteuer „Religion erleben“ in Bali ein. Es gibt noch zwei Nebensätze, die mich aufhorchen lassen. Erstens soll die Spiritualität in Bali allgegenwärtig sein und zweitens soll der Zugang sehr leicht und einnehmend sein. Na, schauen wir mal.
Unser erstes Ziel ist das Hotel Sunari in Lovina Beach hoch im Norden von Bali. Dies bedeutet, wir fahren fast um die ganze Insel, da wir im äussersten Westen an Land gehen. Das Hotel erreichen wir bei Dunkelheit und ist nach den Tagen auf dem Bromo von überdurchschnittlicher Qualität.

Wunderschön eingerichtet, mit Orchideen, einer grossen Poolanlage und direktem Zugang zum Meer. Das Zimmer ist stilvoll und mit Geschmack eingerichtet, das lässt auf mehr hoffen.

Nach den anstrengenden Tagen in Jogjakarta, der langen Fahrt in den Westen und die kalte Nacht auf dem Bromo legen wir für den ersten Tag eine Ruhepause ein. Wir erkunden den Ort, wobei die Vielzahl der Tempel, sowie die aufgestellten Figuren auffallen. Alles in dunkelgrauem Zement gehalten, werden die Figuren mit bunten Gewändern gekleidet und einige Anlagen mit Blumen und Tüchern verschönert. Die oft sehr bizarre Bauweise erfährt durch die Farbkleckse eine schöne Dreidimensionalität. Ich freue mich schon auf die grossen Tempel des Hinduismus.

Der Tag wird richtig heiss, da fällt der Poolgang nicht schwer. Das Meer ist hier im Norden nahezu still. Keine hohen Wellen, spiegelglatte See. Die Palmen stehen fast unbeweglich in der Mittagssonne. Trotz der Hitze ist das Licht nicht sehr hart. Der tiefblaue Himmel geht nahtlos in die Meeresfarben über. Ein Effekt, der sich gegen Abend noch verstärkt. Fast scheint es, als schaue man gegen eine pastellblaue Wand. Kein Horizont weit und breit. Bunte Fischerboote hängen fast in der Luft. Das Auge hat keinen Bezugspunkt und dadurch verliert sich die Tiefe. Das Ergebnis ist ein farbenreiches Spektakel.

Wir wollen am Nachmittag noch zu Fuß einen Ausflug in die Gegend machen. Wir haben den Tip zum Besuch einer wunderschönen Tempelanlage ganz hier in der Nähe bekommen. Diese Einladung lässt uns nicht lange zögern, wir lassen uns treiben. Ein circa zehn Meter hoher Elefantenschrein in der Nachbarschaft lässt uns einen ersten Eindruck über die „allgegenwärtige Spiritualität“ gewinnen. Wir finden einen Tempel, der sehr wunderschön aber fast leer ist.

Alle Tempelanlagen sind nahezu ohne Probleme zugänglich, das Fotografieren ist ohne Probleme möglich. Wir wollen keinen stören, aus diesem Grund bewegen wir uns sehr leise, langsam und vorsichtig. Im hinteren Tempelteil findet sich eine Gruppe betender Hindus. Wir beschliessen nicht weiter vorzudringen, da wir auch nicht tempelgemäss gekleidet sind.
Also gehen wir die Strasse weiter und sind schon fast im Nachbarort Anturan.

Vor einem Geschäft spricht mich ein Einheimischer an. Es geht um meine Kamera, woher wir stammen und ob wir uns hier auskennen, bzw. einen Führer benötigen. Der übliche Smalltalk eben. Aber mir kommt die angenehme Art der Unterhaltung sehr zugegen. Ich erzähle ihm von dem Tempel, den wir suchen. Und da bittet er uns, noch etwas die Strasse herunterzugehen, dort würde gerade eine Zeremonie vorbereitet. Er selber wäre der Organisator der morgigen Zeremonie. So richtig glauben kann ich es allerdings nicht.

Wir verabreden uns vor dem Tempel und treffen ihn tatsächlich eine halbe Stunde später wieder. Im Tempel ist einiges los, es erschallt Gamelan Musik und auch vor dem Tempel finden sich einige Menschen ein. Die Luft ist geschwängert von Räucherstäbchen. Wir haben ein wenig Scheu, diesen Tempel zu betreten aber Nyoman ermuntert uns, näher zu treten.
Beim Betreten des Tempels werden wir von der Lebendigkeit, der Gerüche, der Farbenvielfalt, der Mystik, der Spiritualität dieses Ortes übermannt. Fast erscheint es, als hätte man eine andere Zeit oder eine andere Welt betreten. Es ist schwer zu beschreiben, der Eindruck sitzt tief. Staunend, fast ehrfurchtsvoll beobachten wir die Gebetszeremonie. Nyoman erklärt uns Bruchstücke und weist uns auf den hinteren Teil der Anlage hin. Wir gehen vorbei an Gamelan Instrumenten, auf denen Kinder in allen Lautstärken uns zeigen wollen, wie gut sie spielen können. Nur leider nicht zusammen.

Im hinteren Teil des Tempels proben einige Jungen und Mädchen Tänze. Fast scheint es, als würden wir die Aufmerksamkeit stören. Wir wollen uns lieber zurückziehen, aber Nyoman beschwichtigt. Ich frage, ob ich von den Proben Fotos machen kann und habe den Ehrgeiz der Kinder geweckt. Wir sind angesteckt von der Schönheit des Moments. Fernab jeglicher ausgetretener Pfade, inmitten hinduistischer Spiritualität wird uns eine Kostprobe traditioneller Kunst geboten. In der Hitze des Tempels fotografiere und fotografiere ich. Die Jungen streiten sich fast, von mir abgelichtet zu werden. Auch die Mädchen haben ihre Scheu überwunden. Ich tauche bei jedem Bild in ein Meer von mich umringenden Kindern, als ich ihnen die Bilder zeige.

Wir sind fast eine Stunde bei den Proben, da endet die Gebetszeremonie. Wir wollen uns fast verabschieden, da bittet uns Nyoman noch ein wenig zu bleiben. Gleich würden auch im Gebetsteil des Tempels Tänze aufgeführt. Also fotografieren wir noch ein wenig und warten auf die Klänge des Gamelan Orchesters, welches dann die Tänze ankündigt.

Der Innenhof des Gebetsraums ist plötzlich voller Flair. Junge Dorfbewohnerinnen fangen mit Grazie und Charme an, den traditionellen Tanz, den Legong, zu tanzen. Die Figuren, die sie mit ihren Händen zeichnen, sind uns fremd und sicherlich nicht einfach zu erlernen. Ihre Mimik ist bis auf ihre Augen relativ starr. Der Mund umspielt ein feines Lächeln. Sie selber tragen traditionellen Schmuck. Ihre filigranen Bewegungen sind einfach faszinierend. Fast vergesse ich zu fotografieren.

Der Tanz besteht aus einer Solistin, die der Reihe nach Männer aus dem Dorf zum Tanz auffordert. Bei der zweiten Tänzerin denke ich noch, wie hübsch sie ist. Ich schiesse ein, zwei Fotos, da dreht sie sich zu mir. Ich freue mich noch über ein Portrait, sie schaut direkt in die Kamera, und frage mich, warum sie auf mich zukommt. Na klar, jetzt fordert sie mich zum Tanz auf. Ich bin so perplex, das ich nur noch merke, wie ich eine Scherpe umgebunden bekomme. Die Kinder freuen sich auf das kommende Spektakel. Auch die anderen Männer können ihre Vorfreude nicht mehr verbergen. Nur kurz werde ich mir meiner Situation bewusst.

Inmitten eines hinduistischen Tempels tanze ich mit einer schönen Frau des Dorfes traditionelle Tänze und jeder schaut zu. Von jetzt auf gleich habe ich dann nur noch die Tänzerin vor Augen. Es ist ungefähr so, als würde ich sie fotografieren und alles andere würde im Bokeh verschwimmen. Ich versuche, die halbwegs hilflosen Bewegungen mit meinen Armen und Beinen zu koordinieren. Ich weiss nicht, wie lange ich getanzt haben muss, mir kommt es vor wie eine Ewigkeit, als ich mich bedanke. Ich bin immer noch perplex, wie ich in den Bann gezogen worden bin.

Nachdem die Tänze vorbei sind frage ich Nyoman noch einmal nach der Bedeutung des Tanzes. Nur ein kurzes „For Romance“ ist ihm mit einem verschmitzten Lächeln zu entlocken. Offensichtlich habe ich keine schlechte Figur abgegeben, lächeln mich die Dorfbewohner und die Tänzerin doch immer noch an. Ich frage mich heute noch, wie ich die Nerven haben konnte, so etwas einzugehen. Ein einmaliges Erlebnis. Man hatte uns zwar prophezeit, dass man bei hinduistischen Zeremonien schnell eingebunden wird. Aber diese Geschwindigkeit und Intensität hat mich schon überrascht.

So langsam leert sich der Tempel und wir werden von Nyoman für den nächsten Abend eingeladen. Auf jeden Fall sagen wir zu und spenden noch etwas in der bereitgestellten Donation Box für den Tempel. Dies wiederum beschert uns drei Wollfäden in den Farben schwarz, weiss und rot, die verdrillt werden und um unser Handgelenk gebunden werden. Dies soll Glück bringen und für den Rest des Urlaubs gehören wir bei vielen Aktivitäten durch dieses Bändchen „dazu“. Von den vielen Anfragen, wie wir an unsere Bändchen gekommen sind, einmal abgesehen.

Wir machen uns auf den Heimweg, es dämmert langsam. Da nachts die Strassen von Bali vorwiegend den Hunden gehören, ist es ratsam, einen fahrbaren Untersatz zu haben. Wir erreichen unser Hotel unbeschadet von Hunden und freuen uns auf morgen.

Der nächste Tag gehört einer Rundreise durch den Norden von Bali. Wir wollen einige Tempel anfahren und zum Danau Beratan, einem See mit einer schönen hinduistischen Anlage sehen. Der Rückweg soll dann parallel zum Meer im Landesinneren durch mehrere Reisfelder, wunderschöne Landschaften und den Git Git Wasserfällen gehen. Unser Guide heisst Ponidi und wir sind zu viert.

Zunächst geht es in die grössere Nachbarstadt von Lovina Beach. Singaraja hat nahezu eine Million Einwohner und verbreitet schon etwas mehr Hektik. Hier befindet sich eine hinduistische Anlage direkt am Meer. Praktisch, da die Reinwaschungsrituale der Hindus zweimal im Monat im Meer stattfinden. Bei Neumond und bei Vollmond. Dies erfolgt in Form eines Vollbades im Meer. Einmal im Jahr gibt es ausserdem ein grosses Fest der Drachen auf Bali, Ogoh Ogoh genannt. Ein rauschender Brauchtum, zu dem die fürchterlichsten Drachen gebaut werden, um dann in der Nacht um zwölf Uhr verbrannt werden. Einmal verbrannt, so der Glaube, warten die Drachen im Himmel darauf, wieder zurück auf die Erde zu den Menschen zu gelangen. Aus diesem Grunde ist am Tag nach dem Drachenfest auf den Strassen und unter freiem Himmel kein Mensch zu sehen. Der öffentliche Verkehr ruht an diesem Tag, nur Notfälle werden behandelt. Dies aus dem Grund, damit die Drachen nicht den Weg zurück zur Erde und zu den Menschen finden.

Ebenfalls in Singaraja befindet sich ein Tempel nach chinesischem Vorbild. Die Religionslehre nach Konfuzius ist ebenfalls in Indonesien verbreitet und weist deutlich mehr Prunkanteile in ihren Tempelanlage auf. Der Konfuzianismus gehört neben dem Buddhismus und dem Daoismus zu den „drei Lehren“ und prägt die fernöstliche Religionsgemeinschaft um eine weitere Religion.

Wir fahren weiter in Landesinnere und finden einen Tempel, an dem Relikte aus der holländischen Vergangenheit verewigt sind. Flugzeuge, Autos und Fahrräder erzählen die Geschichte der holländischen Besatzung. Wir lernen den Behüter des Tempels kennen.

Ein sehr alter Mann, mit glänzenden Augen und wenn er lacht streuen seine verbliebenen sieben Zähne in alle Himmelsrichtungen. Es spricht sehr gutes Englisch und hat seinen Neffen dabei. Wir erfahren sehr viel über die Grundpfeiler des Hinduismus. Es gibt sogar eine dreiseitige Erklärung auf Englisch zum Mitnehmen aus seinem Brustbeutel. Er führt uns seine Yogakünste vor und erzählt aus seinem Leben. Die einnehmende Freundlichkeit lässt uns länger als geplant an dieser Stelle verbleiben. Man sagt: Spiritualität auf Bali sei greifbar. Ein sehr schöner Begriff und ich möchte anfügen: Sie ist allgegenwärtig.

Wir fahren auf engen und kurvigen Strassen immer höher. Die Insel ist vulkanischen Ursprungs und unser nächstes Ziel, eine der schönsten hinduistischen Tempelanlagen liegt circa 1.400 Meter hoch. Souverän meistert Ponidi die kurvige Strasse zum Danau Beratan. Einmal auf dem Plateau angekommen, werden die Strassen gerader und wir erleben einen wunderschönen Blick auf den See mit der anliegenden Tempelanlage. Schon von weitem lässt sich erahnen, dass der Pura Ulun Danau Bratan ein Touristenmagnet ist. Durch seine verkehrsgünstige Lage im Mittelpunkt der Insel, lässt sich der Tempel auch von Süden anfahren. Und genau dies ist hier der Fall. Busladungen mit Japanern und Australiern ergiessen sich über das Areal. Fast sehnt man sich nach der Ruhe der kleinen Tempel. Wir laufen um die Tempelanlage herum und erfreuen uns an der Schönheit. Der Innenteil ist leider nicht zu betreten, was bei den Touristenströmen durchaus nachvollziehbar ist. Wir machen das Beste draus. Schliesslich erhandeln wir uns noch Sarongs für die abendliche Veranstaltung und flüchten von diesem Ort und den nicht abreissenden Menschenmassen.

Eine Kleinigkeit ist mir noch aufgefallen. Da auf Bali vorwiegend Hinduismus als Hauptreligion gilt, gibt es im Vergleich zu Java relativ wenige Moscheen. Dementsprechend ruhig ist auch der Muezzin auf dieser Insel.

Aber hier am Pura Ulun erscheint es fast, als würden die Gebete des Islam gegen die Ruhe des Ortes anschreien. Der Versuch, die islamische Religion zu behaupten, ist hier deutlich sichtbar. Ich habe dies viel diskutiert. Der Islam ist auf Java in eine Lücke eingesprungen, die es zu füllen galt. Für die einfachen Menschen bedeutet der Glaube an eine Religion Lebensgrundlage, neben den Grundbedürfnissen. Hier hat der gemässigte Islam nach der holländischen Besatzung schnell Fuß gefasst und mit seiner friedfertigen Art das Land bis heute positiv geprägt. Die jüngsten Vorkommnisse durch radikale Islamisten werden gerade von den einfachen Menschen verurteilt. Da Banda Aceh als Hochburg des radikalen Islam gilt, war die Überraschung auch nicht groß, das durch den letzten Tsunami der Ort nahezu vollständig zerstört wurde. Dies galt als Zeichen der Gerechtigkeit unter den Moslems.

Aber die Penetranz, zu dem hier zum Mittagsgebet aufgerufen wird, ist schon überdeutlich. Es ist durchaus nachvollziehbar, das auf Java mit seiner Hektik durch die Menschenmassen und des Alltags der Ruf des Muezzin so etwas wie ein ruhender Pol wirkt, hier erscheint er fast aggressiv. Mittlerweile weiss ich, das der Aufruf zum Gebet in der Regel mit einem festgelegten Ruf erfolgt. Dies kann innerhalb von fünf Minuten erfolgen und ist mikrofonunterstützt. Es liegt somit an Person des Muezzin, wie lange und mit welcher Schärfe er zum Gebet aufruft.

Wir verlassen den Pura Ulun Danau Beratan in Richtung Westen der Insel. Es führt eine Art Hochstrasse über den Gebirgskamm, der den Nord- und den Südteil trennt. Wunderschöne Reisfelder säumen unseren Weg und Ponidi muss immer wieder anhalten, um uns zu einem Fotostopp herauszulassen. Schliesslich erreichen wir die Git Git Wasserfälle. Ein kleiner Pfad führt zu den Fällen, die etwa 30 Meter in die Tiefe stürzen. Am Fusse kann man baden und sich eine kleine Erfrischung von der Hitze gönnen.

Da wir, auch aufgrund unserer Fotostopps und ausgedehnten Tempelbesuche schon spät dran sind, verzichten wir auf ein Bad und laufen nach einer kurzen Pause zurück. Auch finden sich erste Touristenströme ein. Australier habe ich bislang noch nicht als Touristen erlebt. Aber die hier Anwesenden machen auch nicht wirklich Lust auf ein Kennenlernen.

Wir fahren weiter, zu einer buddhistischen Tempelanlage. Hier finden sich dann auch sitzende und liegende Buddhas. Und auch etwas Neues hat die Anlage zu bieten. Meditation. Vornehmlich junge Nichtasiaten sitzen verteilt über die Anlage, die einen wirklich wunderschönen Blick auf die gegenüberliegende Hügelkette bietet. Wir wollen die Ruhe des Moments nicht weiter stören und machen uns auf den Weg zu unserer letzten Station der Rundreise.

Eine öffentliche Badeanstalt, wunderschön gelegen, soll uns Gelegenheit geben, diesen Tag erholt abzuschliessen. Die Anlage ist wunderschön in einem Talkessel angelegt und wurde wohl schon als Kurort seit langer Zeit benutzt. Aus alten Gemäuern läuft unentwegt erfrischendes kühles Nass. Die Menschen lassen sich von den Wasserstrahlen massieren, Kinder tollen ausgelassen herum. Eigentlich fast wie eine heimische Badeanstalt. Mit dem Unterschied, das die Badekleidung hier doch aus einem T-Shirt und einer möglichst knielangen Hose besteht.

Nach dem Bad und dem Spiessrutenlauf durch die Händlerkette am Eingang machen wir uns auf den Weg zurück nach Lovina Beach und kommen in die Abenddämmerung. Eigentlich sollte der Ausflug am Nachmittag beendet sein, aber mit uns dauert es wohl immer etwas länger.

Wir verabreden uns mit Ponidi für den Abend, um zur Tempelzeremonie zu fahren. Da wir durch die Eindrücke vom Tag schon wieder an die Grenzen unserer Aufnahmefähigkeit gekommen sind, wollen wir nicht allzu lange bei der Zeremonie bleiben. Nach einigem Suchen finden wir die Tempelanlage und es ist auch schon einiges los. Schnell treffen wir Nyoman wieder. Hier erfahren wir anhand unser mitgebrachten Sarong einen Schnellkurs im Sarongbinden. Der männliche Sarong wird dazu so gebunden, das vorne drei Falten fallen. Der weibliche Sarong ist hingegen glatt. Eine komplizierte Falttechnik, gepaart mit etwas Knoten gibt die nötige Haltbarkeit. Das ganze ist so stabil, das auch längeres Sitzen im Schneidersitz ohne Probleme hält.

Nyoman führt uns durch die Anlage. Es ist noch etwas Zeit, bis zur Tanzvorstellung, die „Visagisten“ sind noch nicht anwesend. Im hinteren äusseren Teil finden sich zu unserer Überraschung einige Spieltische. Eine Art Roulette erregt unser Interesse. Auf einer ebenen, rechteckigen Fläche mit ca. 30 Vertiefungen für einzelne Nummern läuft ein Ball und wird durch die Vertiefungen in immer andere Richtungen gelenkt. Männer setzen kleine Beträge auf die Nummern und wenn man denkt, seine Nummer hat schon gewonnen, überlegt es sich die Kugel doch noch anders und nutzt den Schwung, um zum Nachbarfeld zu springen. Eine besonders lustige Art des Roulettes.

Wir setzen uns in eine der hinteren Ecken um möglichst unauffällig zu bleiben. Dies ist aber schon aufgrund unseres Aussehens kaum möglich. Der Sarong ist für uns eigentlich mehr eine Art Verkleidung, denn ein Kleidungsstück. Um uns herum kommen wir mit den Menschen sofort ins Gespräch und es ist nicht nur die übliche Art von Smalltalk, in der Form von „Where are you from“ und „How are you…“. Stolz weist mich mein Sitznachbar darauf hin, das sein Enkel mittanzt. Hier inmitten der Menschen fühlt man sich direkt wohl. Überall herrscht absolute Ausgelassenheit und Freude auf die Nacht. Nyoman hat uns mittlerweile alleine gelassen, denn er muss sich um Vieles im Vorfeld kümmern. Man sieht ihn hektisch hin und her springen, obwohl der Rest um ihn ruhig ist. Fast tut er mir noch ein bischen leid, hat er sich doch bislang fast ausschliesslich um uns gekümmert.

Dann beginnt die Zeremonie. Zunächst erscheint die Jungengruppe, die wir gestern bei den Proben gesehen haben. In ihren dunkelblauen Trachten, mit ihren Holzspeeren und dem entschlossenen Gesichtsausdruck versuchen Sie etwas Martiales in Ihren Kriegstanz zu bringen.

Es gelingt ihnen nicht. Wie auch, das Publikum schüttet sich vor Lachen aus, wenn hier ein Kleidungsstück verrutscht, dort ein Holzspeer fast den Vordermann piekst und die Choreografie wieder mal nicht synchron ist. Trotzdem erreicht der Tanz eine andere Qualität, als gestern bei den Proben gesehen. Der Spass steht hier im Vordergrund und wir blicken in lachende Gesichter um uns herum.

Danach sind die jungen Mädchen dran. Hier gibt es immer wieder mal technische Probleme, entweder weil das in der Mitte der Tanzfläche aufgehängte Mikrofon seinen Geist aufgibt, oder im Weg rumhängt. Aber die Leichtigkeit, mit der die Mädchen an die Sache gehen, überspielt dies ohne weiteres. Leider ist aus vielen der gespielten Stücke für uns das Thema nicht erkennbar. Aber auch die Mädchen haben offensichtlich Spass an ihrem Stück und strahlen eine beeindruckende Lebensfreude aus.

Im Anschluss wird es ruhiger in dem Hof. Das Gamelan Orchester spielt einige Takte und wird dabei immer lauter und leiser um die nächsten Tänzerinnen auf die Bühne zu locken. Diese lassen jedoch auf sich warten. Aber die Themen, mit dem das Orchester spielt, kommen mir seltsam bekannt vor. Es scheint sich beim Gamelan wohl um eine eigene Art der Tonleiter zu handeln, die in unregelmässigen Abständen wiederholt gespielt wird. Die Lautstärke des Gamelan nimmt zu und wird dadurch immer fordernder. Gebannt schaut das Publikum auf den Vorhang.

Als der Vorhang zum Tempelinnenhof geöffnet wird, halte ich den Atem an.

Drei junge Tänzerinnen betreten den Innenhof über eine Treppe. Fast scheint es, als würden sie wie Göttinnen herab steigen. Inmitten der einfach gekleideten Menschen, vorwiegend in hellen Hemden, hebt sich ihre wunderschöne Kleidung fast strahlend ab. Sie führen den Legong auf. Die Schönheit des Moments überrumpelt. Man kann sich nicht sattsehen von den Gesten, von den Augen und von den Schritten, die einer bestimmten Choreografie unterliegen. Jeder einzelne Finger wird zu einer Figur, jedes Augenrollen hat eine Bedeutung und jeder Schritt eine ungewohnte Grazilität. Das ganze absolut synchron von drei wunderschönen jungen Frauen aufgeführt. Ein unvergleichbares Erlebnis.

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